Nach dem Abstieg aus der Regionalliga könnte man auf die Idee kommen, unsere erste Mannschaft als einen der natürlichen Anwärter auf den Wieder-Aufstieg zu betrachten. Doch ein Blick auf die Aufstellungen der anderen Mannschaften offenbart, dass das Saisonziel bescheidener ausfallen muss: In dieser Liga wird es nicht leicht werden. Umso erfreulicher, dass wir gleich im ersten Spiel die ersten beiden Punkte für den Klassenerhalt einsammeln konnten!
Beide Mannschaften gaben der Jugend eine Chance. Bei uns kamen Ivan und Mohamed zu ihren ersten Einsätzen in der ersten Mannschaft, die Erftstädter setzten sogar vier Spieler aus der eigenen Jugend ein.
Martin an Brett 6 bekam als Erster das jugendliche Ungestüm zu spüren. Sein Gegner opferte einen Läufer auf h6, um den schwarzen König freizulegen. Kleine Anekdote am Rande: Martin hatte das drohende Opfer gesehen, hielt es nach längeren Berechnungen aber für inkorrekt. Sein Gegner gab bei der Analyse zu, dass er nicht gerechnet, sondern intuitiv gespielt hatte. Leider erwies sich das Opfer als korrekt und Martin konnte das drohende Matt nur durch Materialaufgabe abwehren. 1-0 für Erftstadt.
In Ivans Partie an Brett 7 blieben beide Könige in der Mitte stecken. Leider waren irgendwann so ziemlich alle Figuren von Ivan in unangenehme Fesselungen geraten. Da wäre selbst Houdini nicht mehr rausgekommen – und Ivan leider auch nicht. 2-0.
Mohamed an Brett 8 Stand nach der Eröffnung ein bisschen passiv. Insbesondere der durch e6 und c6 eingemauerte Lc8 konnte dem interessierten Zuschauer keine Freude bereiten. Glücklicherweise ging sein Gegner die Sache ein bisschen zu optimistisch an: Ein Opfer auf g6 erwies sich als inkorrekt. Mohamed konnte die Damen tauschen und den Materialvorteil sauber verwerten. Der Anschluss!
Die Partien von Christian an Brett 2 und Wilhelm an Brett 3 endeten recht unspektakulär mit Remis. Keiner Seite gelang es, sich entscheidend in Szene zu setzen. Wahrscheinlich war die Remisbreite nie verlassen worden.
Alex an Brett 4 kam zum gleichen Ergebnis. Allerdings musste er dafür ein bisschen härter arbeiten. Zunächst konnte der Gegner einen nervigen gedeckten c-Freibauern installieren, außerdem hatte es sich einer von Alex‘ Springern am Brettrand gemütlich gemacht, um sich dort eine ruhige Zeit zu gönnen. Hätte der Gegner seinen Durchbruch am Königsflügel in aller Ruhe vorbereitet, hätte Alex dem wohl wenig entgegenzusetzen gehabt. Doch die fehlende Geduld des Weißen bescherte Alex ausreichendes Gegenspiel, um die Partie Remis zu halten.
Thomas an Brett eins müsste im Mittelspiel eigentlich ganz gut gestanden haben. Die schwarzen Zentrumsbauern waren blockiert, die schwarzen Figuren kamen nicht so recht ins Spiel. Aber warum auch immer entschied sich Thomas für eine Abwicklung, durch die er einen ziemlich belanglosen Randbauern gewinnen konnte, der in dem entstehendem Endspiel keine Rolle spielte, wohingegen der zentrale Freibauer des Schwarzen von den plötzlich befreiten schwarzen Figuren vortrefflich unterstützt wurde. So wie der Mannschaftskampf stand musste Thomas gleichwohl auf Sieg spielen. Also suchte er sein Heil in einem Miniangriff gegen den schwarzen König mit zwei Türmen und einem Läufer. Der Mut wurde belohnt. In beiderseitiger Zeitnot fanden beide Spieler nicht die besten Züge und irgendwann zappelte der schwarze König im Mattnetz. Der Ausgleich.
Somit lag alles in Ingrids Hand. Am fünften Brett blieb ihr Gegner nach einem Franzosen in einer passiven Stellung mit einem schwachen e6-Bauern sitzen. Optisch wirkte das Endspiel ansprechend für Weiß, aber bei zäher passiver Verteidigung war kein klarer Durchbruch zu erkennen. Wie es in solchen Situationen oft passiert, ließ sich der Schwarze zu einem unnötigen aktiven Gegenspiel hinreißen, wonach seine Stellung schnell in sich zusammenbrach. Unverhofft kommt oft: 4,5-3,5!
Eine starke kämpferische Leistung. So kann es weitergehen.
