Am zweiten Spieltag gab es das zweite Auswärtsspiel hintereinander für die erste Mannschaft. Aber das war nicht unser größtes Problem. Leider mussten wir auf drei Leute aus dem Stamm-Kader verzichten. Zum Glück können wir auf viele starke Spieler aus der zweiten Mannschaft zurückgreifen, aber unsere an sich hinteren Bretter mussten schon ganz schön weit aufrücken. Bei der Ankunft in Aachen-Brand dann die Überraschung: Auch unsere Gegner waren ersatzgeschwächt, und zwar fehlten bei Ihnen die Bretter 1 und 2, darunter ein waschechter IM. Also: Alles auf Null, wieder alles offen! Doch erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt…

Kay spielte an Brett 7 gegen einen nominell ein gutes Stück schwächeren Gegner. Er landete wieder in seiner allseits gefürchteten Spezialeröffnung, spielte sich im Autopilot-Modus in eine klar überlegene Stellung. Aber dann: Springergabel, Qualität weg, Partie weg. Schade!

Stephan an Brett 8, unser zweiter Ersatzmann, hatte nach einer taktischen Verwicklung einen Bauern mehr. Und der war auch noch ein Freibauer, der schon recht tief im gegnerischen Lager stand. Als dann auch noch sein anfangs etwas unglücklicher Randspringer ins Spiel zurückkehren durfte, fielen die gegnerischen Bauern wie die reifen Früchte und bald kam die Hand. Der Ausgleich.

Ingrid startete erneut furios. Mit Weiß erspielte sie sich deutlichen Raumvorteil, und ehe der Autor dieser Zeilen es so recht mitbekam, hatte sie ihre Partie schon gewonnen. 2/2, starker Auftakt von Ingrid.

Ingo an Brett 4 hatte eine königsindische Abtauschvariante auf dem Brett. Die Hassvariante vieler eingefleischter Königsinder. Nichts mit spektakulären Angriffen und Bauernsturm, stattdessen ruhiges Figurengeschiebe. Wie viele Partien aus dieser Variante heraus endete auch diese mit Remis.

Christian an Brett 2 lieferte sich mit seinem Gegner einen eher schwerblütig anmutenden Positionskampf. Eigentlich schien die Partie ganz in Ordnung zu stehen, aber dann: Springergabel, Partie futsch. So kann es gehen…

Bei Thomas an Brett 1 war es keine Springergabel, aber auch eine an sich nicht allzu schwer zu sehende Taktik, die zu einem recht schnellen Ende führte. Thomas hatte sich eine an sich ganz nett aussehende Isolanistellung erspielt. Irgendwann hielt er es nicht für nötig, den Isolani zu decken, weil er meinte einen taktischen Trick gesehen zu haben, der den Bauern vergiftete. Stimmte aber leider nicht. Bauer weg, Stellung weg. Der Rest war ein 20zügiges Martyrium, in dem Thomas nie wieder auf einen grünen Zweig kam.

Ein Lichtblick war die Partie von Ivan an Brett 6. Nach ruhiger Eröffnung konnte Ivan die c-Linie erobern, in die gegnerische Stellung eindringen, und stand mit aktivem Turm und zwei aktiven Springern gegen die passiven Kollegen eigentlich super. Leider verlor er dann irgendwann den Faden. Ein Turmendspiel mit einem Mehrbauern war wegen des aktiven gegnerischen Königs wohl nur noch schwer zu gewinnen. Nach einer Ungenauigkeit musste dann sogar Ivan ums Remis kämpfen, was ihm aber gelang.

So war es an Martin an Brett 5, den vollen Punkt einzufahren, den die Mannschaft brauchte, um zumindest das 4:4 zu schaffen. Doch mittlerweile stand dort ein Endspiel mit Turm und ein paar Bauern von Martin gegen Springer und ganz schön viele Bauern beim Gegner auf dem Brett. Zudem waren zwei der gegnerischen Bauern verbundene Freibauern, die sich anschickten, gemeinsam Richtung Sonnenuntergang zu wandern. Hier auf Sieg spielen zu müssen war wahrlich keine dankbare Aufgabe. Doch Martin zeigte dem Gegner, was so ein Turm alles draufhat. Und nach und nach fielen die schwarzen Bauern dem gefräßigen Turm zum Opfer, der by the way dem weißen h-Bauern den Weg freiräumte. Womöglich hätte Martin zwischenzeitlich auf Zugwiederholung spielen können, doch das ließ der Spielstand leider nicht zu. So kämpfte Martin tapfer weiter. Zum Glück fand auch der Gegner – jedenfalls nach Meinung des Publikums – nicht immer die besten Züge. Doch bekanntlich verliert der letzte Fehler – und den machte dann wohl doch Martin. Jedenfalls fand einer der Bauern schließlich den Weg zur Grundreihe. Ob objektiv zwischendurch mal der Sieg drinnen war, wird die Engine wissen. So stand am Ende das 5:3 für die Gegner.

Fazit: Leider waren es gerade die Bretter, an denen wir nominell Vorteile hatten (1, 2, 7, 8), die unterm Strich nur1/4 ablieferten. Das war dann einfach zu wenig. Trotzdem gab es auch viel Gutes: Ingrid ist on fire, Ivan hat auch in seiner zweiten Partie in der Verbandsliga gezeigt, dass er dort gut mithalten kann, Ingo gewohnt solide, und Martin mit großer Moral und Kampfgeist. Thomas, Kay und Christian müssen noch einmal zum Taktiktraining antreten (vielleicht Stappenmethode, Stufe 3?), dann klappt`s nächstes Mal vielleicht auch wieder mit dem Mannschaftssieg.

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