Der KKS ist oft eine Wundertüte. Man weiß nie so richtig, mit welchen ihrer zahlreichen Spieler sie antreten werden. Am siebten Spieltag der Regionalliga hatte unsere erste Mannschaft ein wenig Glück. Beim Gegner fehlten einige aus der Stammbesetzung. Doch beim zweiten Blick auf die Aufstellung wurde klar, dass es auch die Ersatzleute in sich hatten. Noch am achten Brett konnte der KKS einen Ersatzspieler mit über 2000 DWZ aufbieten. Doch wir sind die Außenseiterrolle ja mittlerweile gewohnt und versuchen mutig, unsere Chancen zu nutzen.

Relativ schnell und friedlich endete es an Brett drei bei Wilhelm. Trotz heterogener Rochaden mutete die Stellung eher ruhig an. Beide Spieler hatten schon früh genug gesehen und einigten sich auf Remis. Tatsächlich sollte das an diesem Tag die einzige Partie bleiben, in der der Punkt geteilt wurden. Alle anderen sieben Bretter wurden ausgegekämpft.

Bei Ingo an Brett sieben lief es wie schon die ganze Saison über: ruhig und unspektakulär zieht er sein Spiel auf und steht nach und nach immer besser. Irgendwann musste der Gegner die Waffen strecken und Ingo konnte den ersten vollen Punkt für uns einfahren.

Nicht ganz so erfreulich aus Horremer Sicht lief es bei Kay an Brett vier: Kay konnte früh einen Bauern gewinnen, doch die offenen Linien gaben dem Gegner Angriffschancen gegen Kays König. Als sich der Rauch legte, hatte der Gegner zwei Türme gegen eine Dame, außerdem einen Mehrbauern. Da der gegnerische König sicher stand, hatte die Dame den beiden Türmen und nicht viel entgegenzusetzen.

Thomas am ersten Brett konnte dank eines taktischen Versehen seines Gegners im frühen Mittelspiel einen Bauern gewinnen. Außerdem beherrschten seine Türme die einzige offene Linie, und auch die Leichtfiguren kamen gut ins Spiel. In dieser Situation entschied sich der Gegner, eine Figur für zwei Bauern zu opfern. Die entstehende Bauernmasse im Zentrum strahlte eine gewisse Gefährlichkeit aus, doch Thomas konnte trotz Zeitnot seinen Vorteil verwerten.

Auch Christian an Brett zwei konnte schon früh Materialvorteil erlangen. Er hatte zwei Mehrbauern, dafür erhoffte sich der Gegner Angriff gegen Christians unrochierten König. Doch mit knapper Bedenkzeit fand der Gegner nicht die besten Züge, nachdem er eine Figur weggestellt hatte, gab er sofort auf.

Damit stand es 3,5 zu 1,5, bei drei noch laufenden Partien. Doch die übrigen drei Horremer machten es noch einmal richtig spannend.

Besonders schade war es um Wolfgangs Partie am fünften Brett. Wolfgang hatte sich eine klare Gewinnstellung erspielt, doch mit knapper Bedenkzeit zerbröselte sein materieller Vorteil nach und nach, bis er schließlich sogar mit einer Minusqualität aus der Zeitnotphase herauskam. Noch schlechter war es um seine Königsstellung bestellt, weshalb ihm nur die Aufgabe blieb.

Martin an Brett acht muss zwischendurch zumindest sehr angenehm gestanden haben. Leider konnte der Gegner Martins Druck zunächst abschütteln und selbst nach und nach immer mehr davon aufbauen. Irgendwann stand ein Endspiel mit Turm und ungleichfarbigen Läufern und zwei Minusbauern auf dem Brett. Leider gelang es Martin nicht, die Türme zu tauschen, um sich in ein remisliches Endspiel zu flüchten. Unterstützt vom Turm liefen die gegnerischen Freibauern bis zur Grundlinie und beendeten die Partie.

So ruhten alle Hoffnungen auf Ingrid Partie an Brett sechs. Der Verlauf der ersten Partiephasen muss wohl als wechselhaft bezeichnet werden. Als Ingrid noch als letzte im Spiel war, stand ein Turmendspiel auf dem Brett. Die sind ja bekanntlich immer remis, und auch dieses dürfte es bei korrektem Spiel gewesen sein. Doch der Gegner hatte nur noch wenig Bedenkzeit, und Ingrid lehnte sein Remisangebot rundheraus ab. Anstatt in den sicheren Remishafen einzulenken, spielte Ingrid auf Sieg. Und sie wurde belohnt: Der Gegner fand nicht die besten Verteidigungzüge. Schließlich konnte Ingrids König ihren Freibauern bei der Umwandlung unterstützen. Es blieb ein Endspiel Turm gegen  König und einen Freibauern. Als das Publikum noch mit dem Berechnen langer Varianten beschäftigt war, beendete Ingrid mit guter Endspieltechnik (seitliches Abschneiden auf der vierten Reihe, Leseempfehlung: 100 endgames you must know) sofort die Partie.

Das waren zwei Punkte, die wir nicht unbedingt eingeplant hatten. Und plötzlich steht unsere erste Mannschaft nicht mehr auf einem Abstiegsplatz! Doch die restlichen drei Spieltage werden es in sich haben. Alle weiteren Gegner stehen ebenfalls unten drin. Die gute Nachricht: Wir haben es selbst in der Hand.

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